Strategien und Handlungsfelder

Eine Entwicklungsstrategie beschreibt die fachlichen Schwerpunktbereiche und angestrebten Aktivitäten einer Region, die dazu beitragen sollen, die regionalen Entwicklungsziele zu erreichen.

Zur Umsetzung des Leitbildes als Oberziel bzw. Vision für die Region kristallisiert sich folgende Entwicklungsstrategie für das ILE-Gebiet heraus:

  1. Die Besonderheiten der einzelnen Gemeinden erhalten, stärken und sinnvoll ergänzen
  2. Die Verflechtungen der Gemeinden mit ihren Besonderheiten untereinander ausbauen
  3. Die Anbindung – auch der Ortsteile – ans Umland verbessern
  4. Die Stärken und Besonderheiten der Region überregional bedeutsam machen (auf die Region aufmerksam machen)

Die Bestandsanalyse der einzelnen Gemeinden im Allianzgebiet hat ergeben, dass es sich bei diesem Zusammenschluss um sehr heterogene Kommunen mit unterschiedlichem Handlungsbedarf handelt. Gemeinsam ist dieser Region aufgrund ihrer günstigen Lage um prosperierende Städte und ihrem umgebenden attraktiven Naturraum, dass sie bezogen auf die zukünftige (Bevölkerungs-) Entwicklung insgesamt weiterhin positiv abschneiden wird. Der Bedarf / Spielraum für interkommunale Zusammenarbeit der sieben Kommunen wird sich aufgrund auch verschiedenster Verflechtungen der einzelnen Gemeinden mit dem außerhalb des ILE-Gebiets liegenden Umlands auf einige inhaltliche Teilbereiche der Handlungsfelder beschränken.

Es existieren bereits zahlreiche regionale Konzepte, Projekte und Ideen auf Landkreisebene. Hier gilt es für die Allianz ergänzende Maßnahmen auf ILE-Ebene zu finden, die durch die Ländliche Entwicklung unterstützt und gefördert werden können.

Ein großes Potential wird für alle Gemeinden gesehen im Ausbau und besseren Zusammenwirken / Vernetzen folgender Gemeinsamkeiten:

  • –  Verbesserung, Aufwertung und Ausbau des bestehenden Rad- und Wanderwegenetzes / Kernwegenetzes
  • –  Hervorhebung und Verbindung der vorhandenen (ehemaligen) Mühlen entlang der Zenn
  • –  Herausstellung und Verknüpfung der ortsbildprägenden historischen Kirchen
  • –  Verbesserung der Wahrnehmung der Region, ihrer Besonderheiten und Attraktivität sowohl für Einheimische als auch für Touristen nach außen (gemeinsamer Auftritt und Werbung)

Im Folgenden werden die Entwicklungsstrategien einzelnen Handlungsfeldern zugeordnet und für diese genauer definiert. Handlungsfelder stellen dabei thematisch zusammegehörige Bereiche dar, in denen Aktivitäten und Veränderungen durch konkrete Entwicklungsprojekte / -maßnahmen erfolgen können und sollen.

HANDLUNGSFELD A - Wohnen, Ortsgestalt und Siedlungsentwicklung

Die sieben Gemeinden in der Zenngrund-Allianz weisen aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zu den großen Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Herzogenaurach verbunden mit moderaten Bodenpreisen kein ausgeprägtes Problem hinsichtlich ihres Wohnraumangebotes auf. Die günstige Wohnlage ermöglicht jeder einzelnen Kommune eine eigenständige Wohnraumpolitik in Form von Verkauf gebrauchter Immobilien und Ausweisung neuen Baulandes. Hier weist keine der Kommunen akuten Leerstand oder Brachflächen inner- halb ihrer Siedlungsgebiete um die zentralen Innenorte auf. Der Bedarf und die stetige Nachfrage führen eher weiterhin zu einem Mangel an Wohnraum. Auch künftig wird sich an der Nachfrage nicht viel verändern, da die Region als günstiger (preislich wie auch räumlich) Wohnstandort im Umfeld großer Arbeitgeber und mit sehr guten Wohnumfeldqualitäten beliebt bleiben wird. Eine stete Neuausweisung von Wohnbauflächen an den Ortsrändern führt jedoch oft zu „reinen Schlafstätten“ ohne (gesellschaftlichen) Bezug zu den Innerorten.

Künftig wird sich aufgrund des demographischen Wandels der Bedarf an unterschiedlichen Wohnformen ändern. Während sich momentan hauptsächlich junge Familien in den vorhandenen und neuen Siedlungsge- bieten ansiedeln, weisen alle Gemeinden ein Defizit an Wohnraum für (junge) Singles (z.B. junge Erwachsene, die Zuhause ausziehen wollen aber am Ort verbleiben möchten, zeitlich befristete Arbeitnehmer der umliegenden Firmen), Alleinerziehende und Senioren auf,  die sich kein Eigentum leisten können oder wollen. Mietwohnungen werden künftig vermehrt nachgefragt werden – vor allem in den zentraleren Lagen, so dass hier ein Angebot geschaffen werden muss, um diese Bevölkerungsgruppen am Ort zu halten.

Gerade in den Zentren weisen auch die Allianzgemeinden aufgrund wegbrechender Nutzungen vermehrt Leerstände verbunden mit alter, teilweiser maroder Bausubstanz auf. Diese Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des Umfeldes und können den öffentlichen Raum negativ beeinflussen.

Neben einer Wiederbelebung dieser Gebäude durch verträgliches Gewerbe und Handel wird hier auch vermehrt Entwicklungspotential für unterschiedliche Wohnraumbedarfe frei. Das betrifft nicht nur die Hauptorte sondern auch die einzelnen Ortsteile, in denen vor allem landwirtschaftliche Nutzungen wegfallen, die große Bauvolumen in den Ortskernen freisetzen. Diese Potentiale gilt es im Sinne einer gewünschten (Wieder-)Belebung entsprechend zu mobilisieren, für Jung und Alt – Alteingesessene und Zugezogene lebenswert zu gestalten und attraktiv zu vermarkten.

Da die sieben Allianzgemeinden sowohl in ihrer Größe als auch hinsichtlich ihrer Entwicklungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich geprägt sind, wird ein gemeinsames Flächenmanagement von den einzelnen Kommunen beim Thema Wohnen nicht als sinnvoll erachtet.

Gemeinsame Ziele sollen (für jede Kommune) dennoch sein:

  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung um den generellen Flächenverbrauch auf ein Notwendigstes zu minimieren, d.h. vorrangige Entwicklung innerhalb des Bestands verbunden mit einer sehr maßvollen Neuausweisung von Baugrundstücken;
  • bedarfsgerechte Wohnraumpolitik betreiben, d.h. Raum für neue Wohnformen ermöglichen, zentrale Lagen zu revitalisieren, Anreize für Erwerb und (Um-)Nutzung alter Bausubstanz zu schaffen und monostrukturierte Einfamilienhausgebiete an den Ortsrändern nicht zu forcieren;
  • stabile Versorgungsstrukturen bewahren, d.h. nur soviel Wohnbauflächen neu auszuweisen, wie die örtliche Infrastruktur es auch verkraftet;
  • Schaffung lebendiger Ortskerne – vor allem in den Hauptorten, d.h. Erhalt und Sanierung der ortsbildprägenden Bausubstanz in Verbindung mit Integration verträglicher Mischnutzungen;
  • Erhalt und Herausheben der Besonderheiten der Orte und der hohen Wohnumfeldqualität zur Stärkung der Identität und Attraktivität, d.h. gestalterische und barrierefreie Aufwertung des öffentlichen Raumes in den Innenbereichen, des Wohnumfeldes und an den Ortseingängen – sowohl in den Hauptorten als auch in den Ortsteilen.
HANDLUNGSFELD B - Gesundheit und (Nah-)Versorgung

Die medizinische Versorgung im Allianz-Gebiet ist durch Allgemeinärzte, Fachärzte und gesundheitsorientierte Dienstleistungen als gut und ausreichend zu bezeichnen. Hier wird es zukünftig wichtig sein, bewegungseingeschränkten Menschen – vor allem aus den Ortsteilen – weiterhin schnelle Möglichkeiten eines Arztbesuches oder das Erhalten notwendiger Medikamente zu ermöglichen.

Auch im Bereich (Einzel-)Handel sind die Gemeinden alle gut aufgestellt durch eigene Läden und Einkaufsmärkte oder zumindest in guter Erreichbarkeit zu diesen gelegen (z.B. Tuchenbach). Es existieren noch gut gehende Bäcker und Metzger, die teilweise überregional bekannt sind. Ergänzt wird dieses Angebot durch zahlreiche Direktvermarkter in der Region, die auch auf Landkreisebene gut miteinander verbunden und teilweise in den vorhandenen Regionaltheken der REWE-Märkte vertreten sind.

Zukünftig besteht die Gefahr, dass das kleinere Ladenhandwerk aufgrund von Nachfolgeproblemen wegfallen wird. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auf die Innenorte.

Die dann oftmals nicht mehr fußläufige oder mit dem Rad zu bewältigende Entfernung zu Einkaufsmöglichkeiten stellt für weniger mobile Personen ein Problem dar. Organisierte Einkaufsfahrten (siehe Tuchenbach) können dieses zwar mildern, bieten jedoch keinen adäquaten Ersatz für den flexiblen Gang in den Ort. Von daher ist eine Mischung unterschiedlicher Strategien notwendig:

  • Vermeidung eines Überangebotes an Waren / Sortimenten und Verteilung auf die einzelnen Gemeinden, um reine Konkurrenzsituationen zwischen den ILE-Kommunen und damit evtl. Ausdünnung der klei- neren zu vermeiden und die Innenortslagen nicht noch weiter zu schwächen, d.h. gemeinsame Standortpolitik und Absprache bei Neuansiedlungen, Erstellen eines gemeinsamen Einzelhandelsentwicklungskonzeptes;
  • Stabilisierung der Nahversorgung durch Ergänzung mit regionalen Direktvermarktungsangeboten um beide Seiten zu stärken und die Kaufkraft in der Region zu halten, d.h. Schaffung ergänzender Standorte wie (mobile) Märkte, Erweiterung der regionalen Angebote in den vorhandenen Lebensmittelläden;
  • Ertüchtigung von innerörtlichen Potentialen für kleinere Nahversorgungseinrichtungen in Verbindung mit Cafés, Eisdiele o.ä. um eine gemischte Nutzung aufrecht zu erhalten und den Ort weiterhin mit Leben zu füllen, d.h. Mobilisierung brachfallender Gebäudesubstanz oder Flächen in Verbindung zur Schaffung attraktiver Standorte um bereitwillige Pächter zu finden;
  • Etablierung von alternativen mobilen Services, um alle Bevölkerungsgruppen und Ortsteile gut an die Versorgungseinrichtungen anzubinden.
HANDLUNGSFELD C - Soziales Leben und Kultur

Jede Kommune der kommunalen Allianz weist eine Vielzahl an Vereinen, kulturellen Veranstaltungen sowie auch entsprechenden Infrastruktureinrichtungen auf, so dass eine gemeinsame Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen nicht notwendig erscheint. Lediglich der Bekanntheitsgrad des tollen kulturellen Angebotes vor allem in den Städten ist noch zu wenig ausgeprägt. Auffällig ist, dass in fast allen Gemeinden ähnliche Vereine (z.B. Gesang / Chor) aktiv sind.

Auch in den meisten Ortsteilen gibt es noch aktive Gemeinschaften. Hier gilt es auch zukünftig die gemischten Alters- und Bevölkerungsstrukturen langfristig zu erhalten. Immer weniger Menschen haben ihre Familie in der Nähe und sind so auf ein intaktes soziales Umfeld angewiesen. Hier müssen die Angebote sowohl für Kinderbetreuung als auch für die Seniorenhilfe entsprechend attraktiv sein. Neue Mitbürger sind zu integrieren, so dass sie sich in die Ortsgemeinschaften einfügen und diese durch neue Eindrücke mit beleben. Ein Mangel im ILE-Bereich herrscht bezüglich Treffpunkten für Jugendliche, die noch kein Auto haben und sich abends mal treffen wollen.

Insgesamt ist das gastronomische Angebot in der Allianz als gut und vielfältig zu bewerten – es mangelt jedoch oft an Nachfolgern vor allem im Bereich der fränkischen Küche. Das Wissen über diese teilweise gehobene Küche im städtischen Umland ist begrenzt und kann noch ausgebaut werden.

Hier gibt es noch gemeinsames Entwicklungspotential:

  • Kooperation bei den vorhandenen kulturellen und vereinsspezifischen Veranstaltungen, um ähnliche Veranstaltungen und zeitliche Überschneidungen zu verhindern, d.h. „weniger ist mehr“ – lieber Prioriäten setzen, gebündelte Veranstaltungen anbieten alterniernd / abwechselnd im ILE-Ge- biet, diese gut bewerben und somit jeweils für eine gute Auslastung sorgen;
  • Ergänzung um regionale Angebote, um die Region als Veranstaltungsort interessant zu machen, d.h. Einbeziehen historischer und auch wechselnder Orte, Anbieten von Freiluftveranstaltungen und das Einbeziehen regionaler Gastronomie;
  • Ausbau der Treffpunkte / Dorfgemeinschaftshäuser, um das soziale Miteinander von Jung und Alt sowie Neu- und Altbürger in allen Ortsteilen stabil zu halten;
  • Schaffung guter Anbindungen dieser Treffpunkte, d.h. Anbieten alternativer Verkehrsmöglichkeiten für Jugendliche und ältere Menschen;
  • Sicherung und Belebung vor allem des fränkischen gastronomischen Angebots und bessere überregionale Vermarktung, d.h. Anbieten von Kochkursen, -events, besonderen Genusstagen etc. in Kombination mit dem Verwenden regionaler Produkte.
HANDLUNGSFELD D - Kulturlandschaft. Naturschutz unf erneuerbare Energien

Das ILE-Gebiet ist weitläufig geprägt durch kleinstrukturierte landwirtschaftliche Flächen (insgesamt 56 % des Gesamtgebietes), die hauptsächlich dem Ackerbau dienen. Unterbrochen werden diese durch kleinere Waldflächen (insgesamt 24 % des Gesamtgebietes) und dichter Gehölzbestände entlang der Bachläufe. Auch landschaftsgliedernde Heckenstrukturen sind teilweise noch vorhanden, so dass der Naturraum vielfältig er- scheint. Die stark bewegte Topografie macht die Landschaft zusätzlich lebendig. In den landwirtschaftlich geprägten Bereichen wirkt sie jedoch teilweise aufgrund von großflächigem Anbau regenerativer Energiepflanzen ausgeräumt mit entsprechenden Auswirkungen auf die Böden.

Das landschaftliche Bindeglied in der Allianz stellt die Zenn mit ihrer Talaue und häufig noch natürlichen Uferzonen dar. Lediglich die kleineren Nebenbäche (Gewässer III. Ord- nung) sind – vor allem wenn sie durch Ortslagen laufen – verrohrt und dadurch nicht mehr erlebbar. Bei Starkregenereignissen kann es zu Überschwemmungen kommen, da ein natürlicher Abfluss auf eingeschränkter Fläche schlecht möglich ist. Auch die angrenzende intensive landwirtschaftliche Nutzung engt teilweise den Lebensraum an den Gewässern (z.B. durch Düngemittel) ein. Hier gilt es im Sinne der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in einem guten Miteinander von Landwirtschaft Naturschutz, Wasserwirtschaft und Öffentlichkeit, durch gemeinsame Konzepte und integrierte Maßnahmen die Qualität der Gewässer sowie des Grundwassers langfristig zu verbessern (gu- ter ökologischer Zustand bzw. gutes ökologisches Potential).

Die Siedlungsränder der einzelnen Gemeinden erscheinen unterschiedlich attraktiv im Landschaftsbild. Entlang der älteren Siedlungsgebiete sind sie oft gut eingegrünt und bilden einen schönen / sanften Übergang in die Landschaft. Die Ortseingänge – gerade wenn sie von Gewerbe- und Einzelhandelsflächen mit zugehörigen Parkplatzbereichen geprägt sind, stellen oftmals keine einladende Geste zum Hereinführen in die Ortschaften dar.

Weitere Beeinflussungsfaktoren der Kulturlandschaft stellen die zahlreichen Anlagen für regenerative Energieerzeugung dar. Neben den positiven Effekten hinsichtlich Klimaschutz ist hier darauf zu achten, dass es nicht zu starken Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und zu Schädigungen der Böden (durch Monokulturen) und der Artenvielfalt kommt.

Der Naturraum ist gesamtheitlich zu betrachten, so dass hier die ILE-Region insgesamt – bzw. der gesamte Landkreis – gefragt ist:

  • Erhalt, Verbesserung und langfristige Sicherung des qualitativ hochwertigen Na- turraums, d.h. Entwicklung von Konzepten für z.B. den Schutz des Waldes, zur Herstellung eines Biotopverbundsystems oder zur Renaturierung und Erlebbarmachung der Gewässer;
  • Zusammenarbeit mit Landwirten, Imkern, Obst- und Gartenbauvereinen etc. als „Landschaftspfleger“, d.h. Erarbeitung gemeinsamer Nutzungskonzepte;
  • Einpassung eines naturverträglichen Tourismus / Naherholung um die Erlebbarkeit der Landschaft zu verbessern – sie aber nicht negativ zu beeinträchtigen;
  • Verzahnung regenerative Energien mit Bildung und Tourismus, d.h. Umweltbildung in den Schulen und Anbieten alternativer Fortbewegungsmittel (z.B. e-bikes, e-cars).
HANDLUNGSFELD E - (Aus-)Bilden und Arbeiten, Wirtschaft und Landwirtschaft / Agrarstruktur

Im Bereich Gewerbe und Handwerk weist die ILE-Region keine großen Schwächen auf. Es existieren wenig leerstehende Gewerbeflächen oder Gewerbeimmobilien aufgrund einer Vielzahl an (traditionellen) Betrieben. Daraus resultiert auch ein gutes Angebot an wohnortnahen Arbeits- und Ausbildungsplätzen – neben dem vielfältigen Angebot in guter Erreichbarkeit benachbarter (großer) Städte. Jede Kommune hat ihre eigenen kleineren oder größeren Gewerbeflächen, die alle nahezu ausgelastet sind. Interkommunale Gewerbegebiete gibt es mit außerhalb liegenden Gemeinden – zwischen Seukendorf und Cadolzburg und eines als Idee zwischen Wilhermsdorf und dem Markt Erlbach. Die Möglichkeit – zumindest der größeren Kommunen entlang der Hauptverkehrsadern – als „Gewerbeflächenpool“ für die Städte zu dienen, wird nicht verfolgt, um das Orts- und Landschaftsbild nicht übermäßig zu überformen. Außer behutsamen Erweiterungen werden weitere große Gewerbeflächenausweisungen zum Anlocken von Ansiedlungswilligen Firmen oder interkommunale Gebiete innerhalb des ILE-Gebietes nicht angestrebt. Allerdings müssen den Kleinbetrieben und Handwerkern, die gerne am Ort / in der Region bleiben möchten und Erweiterungsabsichten haben aus- reichend Entwicklungsspielraum eingeräumt werden.

Weiterhin brechen auch in den Ortskernen kleinere traditionelle Geschäfte weg, da ihr Sortiment oft in den außen liegenden Supermärkten mit angeboten wird. Damit geht ein Stück Dorfkultur verloren.

Weiterhin gilt es langfristig die Bedeutung der breit aufgestellten Landwirtschaft als wichtige Pfleger der prägenden Kulturlandschaft zu erhalten.

Hier gilt es künftig gemeinsam zu lenken:

  • Integration kleinerer, neben dem Wohnen verträglicher Handel- und Gewerbeeinheiten wieder vermehrt in die Ortskernlagen, um diese zu beleben, d.h. leerfallende Immobilien insbesondere in den Erdgeschossen für Handel und Gewerbe mobilisieren;
  • Anbieten bzw. Schaffung geeigneter kleinerer Gewerbeflächen um den Mittelstand und das Handwerk in der Region zu halten, d.h. attraktive Standorte – (z.B. für Gründerzentren und innovative neue Ideen) – im Bestand suchen;
  • Verbesserung nachhaltiger regionaler Wertschöpfungskreisläufe „aus der Region für die Region“, d.h. Ausbau der Zusammenarbeit untereinander, zwischen Landwirten / Produzenten und (Groß-)Händlern, Landwirten und Gastronomen, Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen in regionalen Betrieben und in der Landwirtschaft, Ergänzung des Vermarktungs- und Lieferangebotes für die Kunden;
  • Andenken neuer bzw. ergänzender innovativer Vermarktungsstrategien in Ergänzung zum kleinen standortgebundenen Ladengeschäft, um bedarfsorientiert und konkurrenzfähig zu bleiben, d.h. z.B. Internetlösungen anzubieten;
  • Schaffung eines vertrauensvollen Mit- und Nebeneinanders von Bürgern und (konventioneller) Landwirtschaft , d.h. ein konfliktfreies Nebeneinander von Wohnen, Nahrungsmittelherstellung, Naturschutz und regenerativer Energie, durch ein Interessewecken für den Beruf des Landwirts und die erzeugten Produkte, Einbindung von Naturschutzprogrammen auf den Flächen, Vermeidung konfliktträchtiger Nutzungen unmittelbar nebeneinander;
  • Vereinbarkeit von Wohnen und Arbeitenbeispielsweise durch Arbeitsplätze in Form von Co-Working Space, Dienstleistungen, variablen Arbeitsplatzformen stärken.
HANDLUNGSFELD F - Freizeit und Tourismus

Die ILE-Region spielt bislang als Tourismusregion keine große Rolle. Sie dient vorrangig als Naturspender und Naherholungsraum für die Metropolregion. Dies bezieht sich jedoch hauptsächlich auf den Naturraum als Bereich für Spaziergänger (mit Hunden) und Radfahrer weniger auf die Orte an sich und führt mitunter auch zu Konflikten mit Landwirtschaft und Naturschutz. Zudem führen v.a. die Radwege oftmals an den Orten vorbei, so dass die Sehenswürdigkeiten der einzelnen Gemeinden kaum wahrgenommen werden. Hier gilt es diese Verbindungen mehr in die Ortschaften zu führen und das gesamte Rad- und Wanderwegenetz noch besser zu verzahnen.

Neben der südlichen Allianz „Bibertal-Dillenberg“ mit einigen touristischen Schwerpunkten gilt es in dieser Region eher auf einen nachhaltigen „sanften Tourismus“ abzuzielen, der möglichst wenig in den Naturraum eingreift und den Ruhe- und Erholungssuchenden Gast anlockt. Hier gibt es noch Ausbaubedarf in alternativen Übernachtungsangeboten und attraktiven Erholungsangeboten (z.B. Wellness).

Als regionale Strategie soll hier verfolgt werden:

  • Erhalt und maßvolle Ergänzung des vorhandenen Angebotes unter Berücksichtigung des Bedarfs der gewünschten Zielgruppen und in Anpassung an das Orts- und Landschaftsbild;
  • Anbieten von regionalen Gesamtpaketen –Übernachten, Gastronomie / Kultur-Veranstaltung;
  • gemeinsame Konzeptentwicklung und Werbung für die Angebote der einzelnen Gemeinden, vor allem im Ballungsraum.

 

HANDLUNGSFELD G - Verkehr und Mobilität

Insgesamt betrachtet ist das ILE-Gebiet gut an die umliegenden Städte angebunden und sowohl mit PKW als auch mit ÖPNV gut zu erreichen. Auch Rad- und Wanderwege existieren zahlreich mit überregionaler Bedeutung. Mankos ergeben sich jedoch bei näherer Betrachtung hinsichtlich der Taktung und Verzahnung unterschiedlicher Verkehrssysteme sowie bei der Radwegeführung und Anbindung der einzelnen ILE-Gemeinden an diese. Weiterhin werden so gut wie alle Orte stark durch berufsbedingten Durchgangsverkehr belastet, was Einfluss auf die Wohnqualität und die Aufenthaltsqualität und Sicherheit im öffentlichen Raum hat. Die fehlende Attraktivität und Sicherheit von Bahnhalten neben ungünstigen Fahrplänen erschwert das Umsteigen auf den ÖPNV als Alternative zum Auto.

Die einzelnen Ortsteile sind oftmals unzureichend an die Hauptorte angebunden, so dass auch hier das Auto die erste Wahl für die Fortbewegung darstellt. Hier gilt es Alternativen anzubieten und ergänzende Systeme aufzubauen um eine ausreichende Mobilität für vor allem Junge und Alte zu ermöglichen.

Viele dieser Probleme können nicht allein auf ILE-Ebene gelöst werden – hier bedarf es einer Abstimmung mit den überregionalen Verkehrsverbünden.

Folgende Ziele sollten von Seiten der Allianz verfolgt werden:

  • Schaffung attraktiver Anbindungsmöglichkeiten für die Ortsteile an die Hauptorte, d.h. z.B. Ausbau des Bürgerbussystems (Beispiel Langenzenn, Veitsbronn und Wilhermsdorf) und
  • Ausbau des Liniennetzes im Landkreis Fürth;
  • Aufwertung der Bahnhöfe und ihres Umfeldes als Umsteigeplätze, d.h. Gestaltung von P&R-Parkplätzen, Anbringung ausreichender Beleuchtungen und Schaffung barrierefreier Zugänge;
  • Ermittlung des genauen Bedarfs für Pendler, Senioren, Jugendlichen und Touristen an unterschiedlichen Verkehrssystemen und ganzheitliche Konzeptentwicklung;
  • Anbieten alternativer Fortbewegungsmittel für diese Gruppen, d.h. car-sharing, e-car, e-bike;
  • Gespräche mit dem Landkreis Fürth und der DB über bessere Taktungszeiten und weitere Bahn- und Busanbindungsmöglichkeiten;
  • Ausbau schneller und attraktiver Radwegeverbindungen als Alternative zum Auto zur Anbindung der Ortsteile;
  • Aufwertung und Ergänzung von Fußwegeanbindungen in den Ortschaften, um unnötige Fahrten mit dem Kfz zu vermeiden;
  • Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in den Orten , d.h. z.B. Umgestaltung des öffentlichen Raumes zu barrierefreien Zonen und Einengung der Fahrbahnen auf ein Minimum;
  • Ausbau eines Kernwegenetzes, um die Qualität von Feld- und Flurwegen zu verbessern und an die Erfordernisse der landwirtschaftlichen Fahrzeuge anzupassen.